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Geschichte vor der Haustür: Abschlussklasse vollendet umfangreiches Gedenk-Projekt

Veröffentlicht ⋗ 09.07.2020

Von ⋗ V. Triebel/ T. Zimmer

Vor wenigen Tagen haben die Schüler*innen der Klasse 10R1 die Elbmarschen-Schule mit einem Schulabschluss in der Tasche verlassen. Ihre letzten beiden Schuljahre haben sie unter anderem mit einem ganz besonderen Projekt verbracht. Sie blicken zurück und berichten:

Im September 2018 nahmen wir im Rahmen unseres Geschichtsunterrichts an einer Stadtführung über den Nationalsozialismus in Stade teil. Dabei besuchten wir unter anderem die Gedenksteine an der Wilhaldi-Kirche, auf denen die Geburts- und Sterbedaten von Kindern, die nur wenige Tage bzw Monate alt wurden, eingraviert waren. Diese Daten erweckten unser Interesse und machten uns betroffen. Wir erfuhren, dass auch in Drochtersen ein Gedenkstein auf dem Friedhof an die verstorbenen polnischen Kinder erinnert. So entstand unsere Idee, in einem Projekt zu dieser Thematik zu arbeiten und jedem der 26 verstorbenen Kinder seinen Namen zu geben und eine Namensmauer zu errichten.

Mit Unterstützung des Bürgermeisters der Gemeinde Drochtersen, des Kirchenvorstandes, unserer Schulleitung und mit der Hilfe und Begleitung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. konnten wir unser Projekt starten. Als erstes sollte eine Erinnerungs- und Gedenktafel als Ergänzung zu dem vorhandenen Gedenkstein angefertigt werden.

Um den offenen Fragen wie der Todesursache, den Namen der verstorbenen Kinder und ihrem Alter nachzugehen, besuchten wir im Mai 2019 das Niedersächsische Landesarchiv in Stade. Unter Anleitung durften wir die Sterberegister aus den Jahren 1944 und 1945 durchlesen und mit unseren Quellen vergleichen. Dabei stellten wir fest, dass die meisten Kinder nur wenige Monate überlebten und nicht alle polnischer Abstammung sind. Durch den Besuch im Juni 2019 im Kirchenarchiv in Drochtersen hatten wir einen weiteren Einblick in die über 200 Jahre alten Sterberegister der Kirche. Durch unsere Quellenarbeit und die Befragung älterer Menschen aus der Gemeinde, erfuhren wir, dass diese 26 Kinder alle in der „Ausländerpflegestätte“, einer alten Ziegelei in Nindorf, starben.

Durch das große Interesse der Öffentlichkeit an diesem Projekt haben wir die Bedeutung und Notwendigkeit unserer Arbeit erkannt. Die Erinnerung an die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und an den Frieden, den wir in Deutschland seit mehr als 70 Jahren kennen, sollte weiter Bestand haben. Die Einladungen zur Vorstellung unseres Projektes zum 100-jährigen Bestehen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. nach Stade, in das Erzählkaffee des DRK Ortsvereins Drochtersen, zur Präsentation der Bürgerbefragung in die Elbmarschen-Schule und zum Gottesdienst zum Volkstrauertag in die Sankt Martin Kirche nach Assel verdeutlichten uns, dass unser Projekt wirklich eine friedenspädagogische Schularbeit ist.

Die von uns erstellte Erinnerungs- und Gedenktafel wurde am 19. November 2019 auf dem Drochterser Friedhof feierlich enthüllt und den geladenen Gästen und interessierten Bürger*innen vorgestellt (siehe Bildergalerie). Im Februar 2020 fertigten wir in Zusammenarbeit  mit der Ziegelei  „Klinkerwerk Rusch“ in Ritsch die Ziegel mit den Namen, den Geburts- und Sterbedaten der verstorbenen Kinder an. 

Im Mai und Juni 2020 klebten wir unter Anleitung eines Steinmetzes die Namensziegel auf Granitplatten,  die im November 2020 auf dem Drochterser Friedhof an die Außenwand der Friedhofskapelle hinter dem Gedenkstein angebracht und der Öffentlichkeit nach über zweijähriger Projektarbeit übergeben werden sollen.

Das bis heute durchgeführte Projekt war für alle Beteiligten sehr intensiv, spannend und sehr aufschlussreich. Wir bedanken uns bei allen für die Unterstützung während unseres Projektes:

dem Bürgermeister der Gemeinde Drochtersen Herr Eckhoff,
dem Kirchenvorstand Herrn Knoop, Herrn Mahler und Herrn Pastor Hinzpeter,
der Schulleitung der Elbmarschen-Schule KGS Drochtersen, Herrn Wartner und Frau Sturm,
den Verantwortlichen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Herrn Effinger und Herrn Boese,
dem Klinkerwerk Rusch, Herrn Quelle und dem Steinmetz Herrn Bartels
sowie unserer Klassenlehrerin und Projektleiterin Frau Triebel


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